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Nach ADFC-Ranking

Fahrradklima-Test fällt für Hamburg schlecht aus

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Fahrradklima-Test fällt für Hamburg schlecht aus

Trotz jahrelanger Bemühungen des Senats für mehr Fahrrad-Freundlichkeit, landet Hamburg in der ADFC-Umfrage nur auf Platz 8 der 14 einwohnerstärksten Städte.

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Parkende Autos auf Radwegen, Holperpisten und ungünstige Ampelschaltungen - Hamburgs Fahrradfahrer sind genervt. Der Fahrradklima-Test des ADFC zeigt aber auch Pluspunkte - und entfacht eine neue Diskussion über die Radspuren auf Fahrbahnen.

Hamburgs Fahrradfreundlichkeit auf achtem Platz

In einer Umfrage zur Fahrradfreundlichkeit kommt Hamburg im Vergleich der 14 größten deutschen Städte nur ins untere Mittelfeld. Im sogenannten Fahrradklima-Test kam die Hansestadt mit der Note 4,21 auf den achten Platz, wie der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) am Dienstag mitteilte. Auf Platz 1 des Rankings kam Bremen mit der Note 3,55, Schlusslicht ist Köln mit 4,38. Die Opposition in der Hamburgischen Bürgerschaft nahm das Ergebnis zum Anlass für scharfe Kritik an der Verkehrspolitik des Senats. Für die Umfrage wurden mehr als 150 000 Antworten ausgewertet. Die Teilnehmer stellen keinen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung dar, sondern sind vor allem Viel- und Gelegenheitsradler. Die vom Bundesverkehrsministerium mit knapp 200 000 Euro geförderte Umfrage lief vom 1. September bis zum 30. November 2018. Positiv bewerteten die 4213 Teilnehmer in Hamburg vor allem die Infrastruktur. Dazu gehören das Angebot von öffentlichen Fahrrädern, die in Gegenrichtung befahrbaren Einbahnstraßen und die Erreichbarkeit des Stadtzentrums.

Kritik der Radfahrer 

Besonders schlechte Noten vergaben die Fahrradfahrer für die Falschparkerkontrollen, die Breite und Oberfläche der Radwege sowie die Ampelschaltungen und die Führung durch Baustellen. Für das Sicherheitsgefühl beim Radfahren gab es die Note 4,7. Sehr viele Menschen fühlten sich nach wie vor nicht ausreichend geschützt auf den Straßen, die Radwege würden als unkomfortabel, zu schmal und nicht sicher empfunden, sagte ADFC-Sprecher Dirk Lau. Der Fahrradklima-Test wurde zum achten Mal seit 1988 erhoben. Bei der vorangegangenen Befragung im Jahr 2016 hatten sich Hamburgs Radfahrer sehr unzufrieden geäußert. Im Ranking der 39 deutschen Städte mit mehr als 200 000 Einwohnern war Hamburg nur auf Platz 31 gekommen. Wegen der neuen Kategorisierung sind die Ergebnisse nicht direkt vergleichbar, die Hansestadt würde nach der alten Berechnung jetzt Platz 25 belegen. Allerdings verschlechterte sich die Note geringfügig von 4,19 auf 4,21.

Sicherheit auf den Straßen 

Die CDU-Bürgerschaftsfraktion hob die negative Bewertung des Sicherheitsgefühls hervor. Der Verkehrspolitiker Dennis Thering kritisierte dabei die Verlegung des Radverkehrs auf Fahrbahnen. «Es ist für niemanden angenehm, auf Hauptverkehrsstraßen neben einen 40 Tonnen schweren Lkw gezwungen zu werden», erklärte der Abgeordnete und fügte hinzu: «Dass selbst die Radfahr-Lobbyisten vom ADFC auf Bundesebene dies eingesehen haben, kommt einem Paradigmenwechsel gleich.» Die CDU mache sich für breite, vom Autoverkehr separierte Radwege stark. In einer Mitteilung des ADFC-Bundesverbands hieß es: «Immer mehr Menschen geben an, dass sie lieber getrennt vom Autoverkehr Radfahren wollen - 2016 waren es 72 Prozent, mittlerweile sind es 81 Prozent - und bei den Frauen sogar 86 Prozent.» Der verkehrspolitische Sprecher der FDP, Ewald Aukes, forderte ein kontinuierliches Monitoring zur Radwegequalität. «Es reicht eben nicht, ein paar Radfahrstreifen auf die Straßen zu pinseln.» Viele Radwege seien zudem Schlaglochpisten, darüber könnten auch neue Velorouten nicht hinwegtäuschen. Die Linken-Abgeordnete Heike Sudmann erklärte, mit dem Titel «Fahrradstadt Hamburg» solle von der unvermindert autofixierten Politik des Senats abgelenkt werden. «Hamburg braucht endlich eine Umverteilung des Straßenraums zugunsten der umweltfreundlichen Verkehrsmittel und flächendeckend Tempo 30», forderte Sudmann.

(dpa/jna)

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